Hörmedien für
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und Blinde

Lesen ist: Einen Text gestalten

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Vorbereitung des Textes

Eine sinnvolle Vorbereitung von Texten beim Sprechen richtet sich nach den Regeln der Verständlichkeit.

Einfachheit

Schachtelsätze eignen sich wenig zum Vorlesen, da der Zusammenhang schwer zu vermitteln ist. Die sprachliche Einteilung folgt der grammatischen Satzgliederung.

TIPP: Sprechen Sie Schachtelsätze als Spannungsbogen (s.u.). Sind diese Sätze trotzdem unverständlich, versuchen Sie den Satz in mehrere kürzere Sätze zu zerlegen, ohne den Inhalt zu verändern.

Oft enthalten Texte Einschübe (z.B. Klammervermerke), die beim Lesen durch Pausen oder Änderung der Lautstärke gekennzeichnet werden können. Manchmal ist es im Sinne der Verständlichkeit sinnvoll, Zeichen anzusagen, z.B. „Klammer auf“ oder „Zitat“, bzw. „Zitat Ende“.

TIPP: Überlegen Sie im Vorfeld, wie Sie die Einschübe akustisch kennzeichnen wollen, und wechseln Sie nicht zu oft die Art und Weise.

Gliederung und Ordnung

Bei der akustischen Gliederung von Informationen sind Pausen notwendig. Sie trennen in Textabschnitten unterschiedliche Sinnzusammenhänge voneinander. Hilfe bei der Einteilung geben die Satzzeichen und Absätze. Zeilensprünge werden beim Lesen ignoriert, soweit sie nicht eine inhaltliche Bedeutung haben, z.B. bei Aufzählungen.

Betonungen unterstützen die akustische Gliederung in einzelnen Sätzen. Eine Betonung ist eine stimmliche Hervorhebung eines Begriffes, wobei die Kraft der Stimme verstärkt wird. Regel ist: Das Wichtigste wird betont.

TIPP: Die journalistische Form des Textes bestimmt die Ausprägung von Pausen und Betonungen. Markieren Sie sich Betonungen und Pausen bei der Vorbereitung im Text.

Kürze, Prägnanz

Wenn es zur Verständlichkeit beiträgt und den Inhalt nicht verfälscht, ist eine Kürzung von Texten legitim. Auch Texte für literarische Lesungen oder für die Aufführung von Theaterstücken sind in der Regel durch Textkürzungen bearbeitet.

Stimulanz durch Spannung und Dynamik

Die Ausarbeitung von Spannungsbögen verschafft gelesenen Texten Dynamik. Dies wird durch den Einsatz der Stimme, durch Betonungen und Pausen erreicht.

Der Spannungsbogen (z. B. ein Gedanke) wird grundsätzlich vom Inhalt geprägt. Um einen Bogen herzustellen, muss der Lesende genau wissen, wo der Höhepunkt ist und wo der Bogen sein Ende hat. Dafür ist es nötig, den Text im Vorfeld auf mögliche, inhaltlich begründbare Bögen zu untersuchen.  Am Beginn des Bogens ist die Stimme eher entspannt und leiser. Während des Bogenanstiegs erhöht sich die Eindringlichkeit der Stimme, sie wird lauter und leicht höher bis zum inhaltlichen Höhepunkt. Im Abschwung wird die Stimme zunehmend entspannter, jedoch erhöht sich die Eindringlichkeit.

Der letzte Satz des Bogens wird „auf Punkt“ gesprochen, die Stimme geht deutlich nach unten und entspannt sich. Danach folgt eine Pause, damit der Zuhörer selbst die Möglichkeit hat, den ausgeführten Gedanken nachzuvollziehen.

Je nach Textart sind die hörbaren Spannungsbögen beim Vorlesen mehr oder weniger ausgeprägt, vom Sprecher persönlich gefärbt.

TIPP: Markieren Sie sich Spannungsbögen im Text und üben Sie das Lesen der Bögen laut. Idealerweise üben Sie mit anderen, die Ihnen eine Reflektion geben können.

Die Modulation der Stimmhöhe unterstützt die Dynamik des Gesprochenen. Spricht jemand nur in einer Tonlage bzw. auf einem Ton, wirkt er auf die Zuhörer eher gelangweilt, was die Zuhörer selbst schnell langweilt. Nutzt der Sprecher den gesamten Umfang seiner Stimmhöhen und Stimmtiefen, wirkt der Vortrag engagiert und begeistert die Hörer. Durch die Anspannung in Stresssituationen schränkt sich der Stimmumfang ungeübter Sprecher stark ein.

TIPP: Trainieren Sie bevorzugt die oberen Höhen und die unteren Tiefen Ihres Stimmumfangs. Sprechen oder singen Sie ganz hoch und ganz tief, doch nie mit verspannten Sprechwerkzeugen. Lockern Sie vor der Übung Ihren gesamten Körper.
 

(Von Susanne Ullrich, Referentin bei der Redaktionenkonferenz 2012)

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