Hörmedien für
Sehbehinderte
und Blinde

Hörzeitungen in der Medienvielfalt

[ Startseite > Teamtreff > Redaktionen ]
Die Leitlinien der atz für ihre Redaktionen sollen den Hörzeitschriften eine eigenständige Bedeutung im gesamten Medienangebot sichern.

Wo Hörzeitungen heute stehen

In den vier Jahrzehnten, die es Hörzeitungen für Sehbehinderte und Blinde gibt, hat sich die Medienlandschaft grundlegend verändert. Blinde und Sehbehinderte können selbst sehr viel mehr Medien eigenständig nutzen als früher. Das tun sie auch und entscheiden überall, wo sie eine Auswahl haben, selbst, welche Informationsquellen sie wählen.

Radio (und auch Fernsehen) gehören immer schon zu den wichtigsten Medien, die Blinde und Sehbehinderte nutzen. Die Zahl der erreichbaren Programme hat sich vervielfacht; Internetradios (für die man längst keinen Computer mehr braucht) sind mittlerweile in so großer Zahl zu empfangen, dass niemand mehr über diese Angebote einen vollständigen Überblick hat.

Das Internet selbst ist in weiten Teilen für Blinde und Sehbehinderte zugänglich; allerdings haben diese es immer noch sehr viel schwerer, gezielt Informationen zu finden; sie stoßen häufig an technische Barrieren und brauchen mehr Zeit für eine erfolgreiche Suche. Das Internet wird aber immer mehr zur bevorzugten Informationsquelle auch für diese Gruppe.

Das Angebot an Medien, die speziell für Sehbehinderte und Blinde herausgegeben werden, ist sehr breit gefächert und hoch differenziert. Wer sich also zu speziellen Themen informieren oder gut unterhalten werden will, kann das mit Hörbüchern und Hörzeitschriften tun.

Zur Nutzung aller dieser Medien braucht der Mensch Zeit und Geld. Von beidem haben wir alle nicht mehr als früher (eher weniger). Alle Medienangebote stehen folglich in einer Konkurrenz um die Zeit und das Geld ihrer Abnehmer. Sie werden nur bestehen können, wenn sie etwas anbieten, das die möglichen Empfänger nicht einfacher, schneller, gezielter, preiswerter auch anderswo bekommen. Wie die Kriterien im einzelnen gewichtet werden, wird jeder Hörer für sich entscheiden.

Vom Vorrang des Lokalen

Unsere lokalen Hörzeitungen haben immer schon die Aufgabe, die Menschen über das Wichtigste aus ihrer Wohnumgebung zu informieren. Diese Aufgabe bleibt auch heutzutage nötig.

Wie gedruckte Zeitungen vor allem wegen ihrer Lokalteile gelesen werden, behält auch die lokale Hörzeitung ihre Bedeutung. Und ändert sich doch: Teils, weil auch die gedruckten Vorlagen sich geändert haben, teils, weil wir den geänderten Medienbedingungen insgesamt Rechnung tragen müssen.

Radio und Internet sind schneller: Wer immer sich hoch aktuell informieren will, wird das auf diesen Wegen tun - und bekommt dadurch bis hinein in den ländlichen Raum manche schnelle Information, die ihn dann in einer Hörzeitung mit tagelanger Verzögerung nicht mehr interessiert.

Radio und Internet sind aber "kurz und knapp": Wer die Hintergründe wissen will, die Vorgeschichten und die Einschätzungen, der greift nach wie vor eher zur Zeitung. Also auch zur Hörzeitung, wenn die genau diesen Wunsch erfüllt.

Wir machen aus der Tageszeitung eine Wochenzeitung. Damit ist klar: Dem Tagesgeschehen laufen wir nicht hinterher, sondern wir sind für "die größere Linie" zuständig, für Rückblick und Ausblick.

Wenn man die Zeitung liest, findet man ständig hochinteressante Texte, die man unbedingt weitergeben möchte. Und schon hat man vergessen: Wir sind nicht allein, unsere Hörer können viele andere Medien nutzen. Wenn sie sich für neueste Forschungen zur Krebsbehandlung oder die Hintergründe von Kinderarmut interessieren, dann haben sie dafür viele andere Möglichkeiten. In der Lokalzeitung erwarten sie das nicht.

Wenn wir unsere Hörzeitung um "alles Beliebige" erweitern, nehmen wir ihnen das Besondere. Von allem gibt es dann nur kleine Häppchen, aber das Alleinstellungsmerkmal, das gerade unsere Hörzeitung unverwechselbar und wertvoll macht, bekommt weniger Platz als möglich: Die lokale Information.

In die Lokalzeitung gehört deshalb im Prinzip nur das, was auch die gedruckte Presse auf die Lokalseiten gebracht hat (das ist auch gleich eine erhebliche Arbeitsvereinfachung bei der Vorauswahl von Texten).

Das können durchaus Themen von überregionaler Bedeutung sein - wenn sie in einen örtlichen Bezug gestellt sind: Eine neue Krebsstation am örtlichen Krankenhaus und eine Reportage, wie sich Kinderarmut konkret vor Ort auswirkt - das sind Lokal-Themen, die die große Politik auf das beziehen, was wir vor Ort erleben können.

Eine lokale Hörzeitung ist eben keine Abbildung einer Zeitung mit Lokalteil, sondern sie ist "der Lokalteil einer Woche" selbst - das muss schon aus Platzgründen gelten. Wir können nicht alle Informationsbedürfnisse abdecken - jeder Versuch bedeutet, aus der unendlichen Fülle nur "beliebige Bröckchen" auszuwählen. Im Lokalen haben wir indes eine Chance, das wirklich Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.

Was wirklich wichtig ist

Was ist "wichtig"? Das ist die zentrale Frage jeder journalistischen Auswahlentscheidung (denn alles, was in den Medien berichtet wird, wurde ja von Menschen ausgewählt). Sie beantwortet sich höchst unterschiedlich je nach dem Anspruch, den wir haben: Wollen wir Lebenshilfe bzw. Orientierung geben, unseren Hörern also Informationen vermitteln, die ihnen in ihrem Lebensalltag nützen? Oder wollen wir sie eher unterhalten?

Unterhaltung gibt es in den Medien im Überfluss. Information wird ja heute überwiegend unterhaltsam verkauft. Oft aber bleiben dabei die wirklich wichtigen Fakten auf der Strecke, verdrängt von Stimmungen und Skandalen. Die Grenzen sind fließend. Wichtig ist wohl, sich bei den einzelnen Artikeln die Unterschiede bewusst zu machen.

Die Wiedergabe einer Debatte im Stadtrat kann (wenn sie ordentlich geschrieben ist) verständlich machen, was sich in unserer Stadt verändert (und warum gerade so). Und alles, was Veränderung ankündigt oder von ihr berichtet, ist wichtig - für Blinde mehr als für Menschen, die sich selbst ein Bild machen können.

Wenn aber in der Ratsdebatte eher "Hauen und Stechen" herrscht, ist der Unterhaltungswert nicht zu unterschätzen (Unterhaltung ist auch, wenn man sich als Leser bzw.Hörer ordentlich aufregen kann ...).

Womit wir beim Polizeibericht wären, der fast immer nur Unterhaltung im genannten Sinne ist. Alle zwei Wochen vom Taschendieb zu berichten, ist pure Unterhaltung (im Sinne von Skandalisierung). Wenn die Polizei aber vor einem aktuellen Enkeltrick-Gaunerpärchen warnt, kann man das ganz anders sehen.

Vereinsberichterstattung ist ein ähnlich zwiespältiges Thema. Solange die Vereinsvorstände (und wenn sie noch so stadtbekannte Namen tragen) nur Internes feiern, fällt der Text wahrscheinlich anderem (Wichtigerem) zum Opfer. Aber nicht jeder Bericht aus einem Verein gehört in diese Kategorie: Wenn der Verein hinaus in das Stadtgeschehen wirkt, wird man vielleicht zu anderen Entscheidungen kommen.

Ebenso ist nicht alles, was in einem kleineren Dorf oder Stadtteil spielt, zwangsläufig weniger wichtig als das Geschehen auf Stadt- oder Kreisebene. Manches wirkt über die engen lokalen Grenzen hinaus, anderes könnte Vorbild für andere sein - und manches ist einfach so originell, dass man es im Sinne wohlverstandener Unterhaltung verwenden kann.

Denn natürlich bedeutet Information nicht Langeweile. Und wenn denn das aktuelle Geschehen hier und da ein Lachen auslöst, ist das allemal besser, als wenn wir durch einen "Witz der Woche" (der gar nichts mit dem Thema unserer Zeitung zu tun hat) die Heiterkeit herbeizwingen wollen.

Daisy-Struktur bringt Qualität

Daisy-Geräte sind speziell für Blinde gestaltet, sie sprechen sogar und erklären die Fülle der Funktionen. Nutzbar wird das aber nur, wenn wir Gestalter das Daisy-Format sinnvoll anwenden.

Atz-Vorstandsmitglied Rita Schroll führte den Redakteuren auf unserer Fortbildungstagung 2010 vor, wie schnell und sicher sich Blinde in guten Daisy-Projekten zurecht finden. Gliedern wir also sinnvoll und schaffen zum Nutzen der Hörer Punkte, die man gezielt aufsuchen kann.

Machen wir jeden einzelnen Text (auch den kürzesten) zu einem neuen Abschnitt, damit man seine Überschrift direkt durch Tastendruck erreichen kann. Nur dann kann ein Hörer prüfen, ob er diesen Text hören will. Lange Texte kann man sogar in inhaltlich sinnvolle Abschnitte zerteilen, damit die Hörer schneller "querhören" können. Und bilden wir Rubriken, die dem Benutzer bei der Auswahl helfen. In der Regel werden das Themenbereiche sein (Politik, Wirtschaft, Kultur, Soziales, Sport ... ).

Die kann der Hörer dann direkt aufrufen und die darin enthaltenen Beiträge (auf der nächsten Gliederungsebene) gezielt durchsuchen.

Zurück

 
gedruckt von www.blindenzeitung.de/Redaktionsarbeit für Hörzeitungen.php am 21.03.2019 um 00:58 Uhr
Gestaltet mit WebsiteBaker