Hörmedien für
Sehbehinderte
und Blinde

Hörmedien am Computer gestalten

Mit einer einfach zu bedienenden Software kann man perfekte Daisy-Hörmedien gestalten. Zwei Beispiele aus der Praxis geben Mut zum Mitmachen.

Digital: Mit Glück oder Trick in den Computer

Wenn Sie „richtiges Daisy“ produzieren wollen, müssen Sie am Computer arbeiten. Jeder PC mit halbwegs aktuellem Windows kann dafür benutzt werden. Das Programm bekommen Sie von uns auf Anfrage.

Der Anschluss ist „im Prinzip“ einfach: Der Stecker, der bislang Ihr Mikrofon oder Ihr Mischpult mit dem Cassettendeck verbunden hat, muss nun stattdessen mit dem Computer verbunden werden. Mit einigem Glück funktioniert das gleich über die Ton-Eingänge von Desktop oder Notebook.

Wenn damit aber nur leise, verrauschte Aufnahmen gelingen, hilft ein USB-Adapter, die Schwächen der internen PC-Tonausrüstung zu umgehen.

Spricht nur eine einzelne Person Texte auf, ist ein Headset (Kopfhörer mit Mikrofon) hilfreich, evtl. auch hier mit USB-Anschluss. Es gibt auch Mikrofone mit eingebautem USB-Adapter. Die atz-Zentrale gibt gerne Tipps und hilft bei der Beschaffung von Geräten.

Das Programm: Texte ganz einfach aufnehmen

Viele Blinde haben sie, benutzen sie aber nie: Die Software, mit der man Daisy-Hörbücher am Computer aufnehmen kann. Denn zum Daisy-Aufnahmegerät Plextalk PTR gehört sie dazu. Für ihren Privatgebrauch können Blinde mit dem PTR Daisy-Aufnahmen machen und auch wieder nutzen. Sollen aber Fremde mit anderer Technik die CDs bekommen, liefert das Wundergerät nichts Brauchbares. Denn „richtiges“ Daisy entsteht nur mit der Software (für Windows). Das Daisy-Programm kann von Blinden wie von Sehenden benutzt werden, es hat eine (abschaltbare) sprechende Benutzerführung.

Die atz–Redaktionen können ein fast gleiches Programm kostenlos erhalten: Programm-CD installieren, Headset anschließen - schon kann man es ausprobieren. Dass die Menu-Begriffe und Systemmeldungen englisch sind, irritiert nur ganz zu Anfang. Interessierte Redaktionsmitglieder wenden sich an Hermann Dremel in der atz-Zentrale.

Als Sprecherin oder Sprecher freut man sich vor allem über die Automatik, die beim Korrigieren von Versprechern hilft. Langes Suchen und schlechte „Schnitte“ sind damit Vergangenheit. Und natürlich kann die Software dem Daisy-Projekt alle Komfort-Merkmale geben, die den Hörern die Navigation ermöglichen: Gliederung in Kapitel, Abschnitte etc. auf bis zu sechs Ebenen, Seitenzahlen, Textüberschriften ...

Ein paar Extras zum Programm

Zu dem Daisy-Aufnahmeprogramm haben wir ein kleines Zusatzprogramm (Script) entwickelt, das einige Schwächen der Originalsoftware ausbügelt, unter anderem

  • Laufende Zeitanzeige auf dem Bildschirm und Addierung der Zeiten markierter Abschnitte
  • Schnellerer Import vorhandener Tonaufnahmen, z.B. Signaltöne
  • Bessere MP3-Qualität für das Endprodukt möglich
  • Auf Wunsch auch mit Zusatzfunktion zum Lesen von Texten am Bildschirm.

Unser Zusatzprogramm ist nicht in die akustische Benutzerführung des Daisy-Programms eingebunden. Sie kann also von blinden Benutzern nur mit Screenreader-Software bzw. ähnlichen Hilfsmitteln benutzt werden. Näheres auf Anfrage.

Ein Fernkurs für Sehende, Seminare (nicht nur) für Blinde

Sehende arbeiten sich schnell mit unserem Fernlehrgang ein: Sechs Lektionen, die jeweils auf Abruf per E-Mail ins Haus kommen. Am Ende kennt man alle Grundlagen und ein paar weitere Tricks zum eigenständigen Herstellen von Daisy-Hörmedien.

Vor allem für blinde Redaktionsmitglieder bietet die atz auch ein Wochenendseminar an. Lilo Mink und Hermann Dremel haben es für den DBSV entwickelt und an neun Wochenenden erfolgreich durchgeführt. Das Projekt DBSV-inform, dessen Teil dieses Seminar war, ist zwar beendet, aber Landesvereine und Redaktionen können das Seminar auch weiterhin buchen.

Und die Kosten ...

Der Computer für unsere Aufnahmen braucht Windows (ab XP) und einen CD-Brenner (wenn man keine DSL-Flatrate hat), muss sonst aber nicht viel können. Anderswo ausgemusterte Notebooks reichen für unsere Zwecke aus. USB-Adapter gibt es für wenig Geld, auch USB-Headsets müssen nicht viel kosten. Aber das erstbeste Billigangebot sollte man auch nicht wählen, wenn man sich Frust ersparen will. Am besten: Die Erfahrungen der atz-Gemeinschaft nutzen, also nachfragen.

Und woher kommt das Geld? Volksbanken und Sparkassen fördern aus Erlösen der PS-Lose, Banken, Stiftungen, Lions– oder Rotary-Club geben auch gerne. Voraussetzung ist ein ordentlicher Finanzplan. Über den (und einen Eigenanteil in bar) reden Sie bitte mit Ihrer Pressezentrale Holzminden.

Zwei Beispiele aus der Praxis

Mit dem Computer Briefe schreiben, E-Mails austauschen und den Bahnfahrplan lesen, das können Sie? Und für die Hörzeitung lesen Sie gerne? Warum machen Sie dann Ihren PC nicht zum Werkzeug Ihres Lese-Hobbies? Kopfhörer und Mikrofon - also ein „Headset“ - an den Rechner. Und schon können Sie sich neuen Aufgaben stellen.

Mit Notebook und Headset reiste Ulla Apitz anfangs in den Urlaub nach Finnland, später zog sie auf dauer dorthin um. Die Hörausgabe von GEO, die sie als Sprecherin gestaltet, kommt pünktlich von dort - oder aus der Wohnung ihrer Tochter, wenn sie die in Deutschland besucht.

Ein wechselndes Redaktionsteam stellt jede Woche über drei Stunden Texte aus der tageszeitung (taz) zusammen; zahlreiche Sprecher/innen an verschiedenen Orten lesen die Artikel, die Aufsprachen laden sie auf einen Server hoch; sonntags abends baut der Redakteur vom Dienst daraus die  komplette Sendung.

Die Zeiten sind vorbei, in denen man viel Technik für guten Ton brauchte. Jeder Windows-PC reicht, ein Headset liegt bei vielen herum, eine DSL-Flatrate haben viele. So hat Ihr Engagement neue Chancen: Programm und Einführung per Fernkurs stellt die atz.

Ob Sie dann „nur“ Texte lesen oder auch redaktionell Verantwortung übernehmen - das liegt ganz an Ihnen. Auch Ideen für neue Projekte - von der Hörzeitschrift bis zum Nachschlagewerk - sind uns immer willkommen.

Immer wieder suchen wir Menschen, die das Projekte wie die TAZ unterstützen möchten. Sie ist technisch die modernste Hörzeitung, bei der wir Texte und Töne zwischen Sprechern und Redaktion online austauschen - nur für die Hörer gibt es auf Wunsch weiterhin CDs.

Inhaltlich ist das eine Herausforderung für Interessierte: Alle paar Wochen Auswahl und Zusammenstellung am PC zu Hause machen. Das sei nur was für Junge, die mit dem PC aufgewachsen sind? Irrtum: Unter unseren Aktiven sind viele „spät berufene Computerbenutzer“.

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