Hörmedien für
Sehbehinderte
und Blinde

Ein Jingle nach jedem Text?

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Ob man akustische Trennsignale zwischen den Texten einer Hörzeitung braucht, diskutierten wir bereits 2008 in einem fiktiven Streitgespräch. Der Denkanstoß für die digitale Zukunft bleibt weiter aktuell.

In Daisy-Zeiten sind Hörzeitungen oft umfangreicher als auf Cassette. Da kann man über die Gestaltung schon mal streiten – im Dienst der Hörer und der Sache. Reden also K und P über die gewichtige Frage: Sollen wir die Artikel unserer Hörzeitung durch ein kurzes akustisches Signal voneinander trennen?

K: Bloß das nicht: Überall werden wir mit Tonsignalen, Werbespotmusik, Jingles zugedröhnt, davon sollten wir uns durch Ruhe absetzen.

P: Auch ich will Töne nur als Hilfe einsetzen; als Sehender orientiere ich mich am Layout einer Zeitschrift. So etwas muss es auch in der Hörzeitung geben

K: Darum sagen wir thematische Rubriken an; die dürfen ja auch ein kurzes Musiksignal haben. Aber nötig ist das nicht. Ich habe schon mehrere Blinde gefragt, ob sie zur Orientierung Jingles und Töne brauchen – sie sagen alle: Lasst die Finger von dem Tonmüll.

P.: Ich fände aber dennoch eine akustische Trennung der einzelnen Beiträge wichtig.

K: Da sagen Ihnen die Blinden: Früher, auf den Cassetten, brauchten wir Signaltöne, um den nächsten Artikel zu finden. Auf der Daisy- CD können wir zu Artikeln und Rubriken direkt springen – also hat der Ton keinen Sinn mehr.

P: Als Startzeichen nicht. Aber wie bekommt der Hörer mit, wenn ein Artikel zu Ende ist?

K: Die sagen Ihnen: Wir sind blind, aber nicht blöd!

P: Dann haben sie meine Frage nicht verstanden: Wenn ich als Sehender am Ende eines Artikels angekommen bin – und das zeigt mir nur die optische Anordnung – dann habe ich die Chance, das Heft beiseite zu legen und den Artikel nachwirken zu lassen, die Pointe zu genießen – bevor ich mich vielleicht auf die nächste Überschrift einlasse.

K: Das kann der Blinde doch auch – er hört doch, dass ein neuer Artikel beginnt ...

P: ... und genau da liegt der Unterschied: Er hört bereits die nächste (!) Überschrift. Wir haben ihm also bereits ein neues Thema in den Kopf gepustet und er kann das vorherige nicht mehr ungestört nachwirken lassen. Deshalb wäre ein unaufdringliches wiedererkennbares Tonsignal ein Angebot: Schalte auf Pause und denke nach – oder lass weiter laufen und höre den nächsten Text.

K: Dazu kann ich aber auch eine etwas längere Pause zwischen den Texten machen; das wäre eine weniger aufdringliche Methode.

P: Nein. Eine Pause kann vieles sein: Kunstpause des Sprechers, Übergang zu einer Ergänzung, die noch zum Artikel gehört – oder auch eine technische Panne. Wenn ich erst drüber nachdenken muss, ob mein Gerät gerade „hängt“ oder es gleich weiter geht, ist der Faden zum Artikel auch schon gerissen. Darum ist vielen Hörern auch eine richtige Absage am Schluss der Aufsprache wichtig.

Und wenn man sich für einen Jingle entscheidet? Dann steht in diesem Text, worauf man bei der Gestaltung achten sollte.

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