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Atem- und Sprechübungen

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TIPP: Schaffen Sie sich für die folgenden Übungen eine ruhige und angenehme Atmosphäre.

Atmung

Das flache Atmen (Brustatmung) ist physiologisch mit der "Kampf-Flucht-Reaktion" verbunden. Diese Atmung bewirkt, dass das autonome Nervensystem in einem erregten Zustand bleibt und dadurch eine Entspannung behindert wird. Im Gegensatz dazu ist die Bauchatmung die normale, ruhige Atmungsform und wird meist unbewusst eingesetzt, wenn der menschliche Körper entspannt ist.

Die Atemluft kann nur dann für die Artikulation eines Gedankens ausreichen, wenn ein harmonisches Verhältnis zwischen Atem-, Gedanken- und Satzlänge herrscht. Atemübungen helfen, bewusster mit der eigenen Atmung umzugehen. Die Einteilung des Luftstroms wird erleichtert (weniger „Luftnot“, Atemgeräusche).

Grundübung Bauchatmung

Diese Übung können Sie überall machen. Sie hilft Ihnen, sich zu entspannen, Gelassenheit zu bekommen und eine wohlklingende, feste Stimme zu entwickeln. Außerdem hilft sie dabei Schüchternheit zu überwinden und selbstbewusst aufzutreten.

  • Lockern Sie Ihren Körper, besonders Mund, Nacken, Schultern und Hüfte.
  • Stehen Sie aufrecht auf beiden Beinen. Strecken Sie die Knie nicht durch.
  • Die Füße sollten etwa schulterbreit auseinander stehen.
  • Halten Sie den Kopf gerade, d.h. Ihr Hinterkopf sollte zur Decke ragen.
  • Stellen Sie sich vor, Ihre Füße seien die Wurzeln eines Baumes und Ihr Kopf sei die Baumkrone die hoch in den Himmel ragt.
  • Lassen Sie einen tiefen Atemzug durch die Nase einströmen (Schultern unten lassen!).
  • Achten Sie darauf, dass sich Ihr Bauch, und nicht Ihre Brust beim Einatmen weiten. Die Atembewegung muss in der Bauchnabelgegend zu sehen sein.
  • Atmen Sie langsam durch die leicht geöffneten Lippen wieder aus. Die Zeitspanne, die das Ausatmen beansprucht, kann doppelt so lang sein, als die des Einatmens.
  • Achten Sie nach dem Ausatmen darauf, wann Ihr Körper wieder den natürlichen Impuls verspürt, erneut einzuatmen. Holen Sie erst dann wieder Luft.
  • Wiederholen Sie diese Übung mehrmals.

Übung 2:    Das Grundschema ist wie bei der Übung 1.  Beim Ausatmen schießen Sie die Luft stoßweise mit Hilfe der Bauchmuskulatur heraus.

Sprechen

Sprechübungen trainieren die Muskulatur, die zum Sprechen benötigt wird. Viele kennen den berühmten „Korken im Mund“. Bei der Artikulation mit Korken, müssen die Mundmuskeln mehr arbeiten, um eine deutliche Aussprache zu gewährleisten. Diese Mehrarbeit ist Training.

Eine andere Variante ist die Überartikulation. Das bedeutet, dass alle Buchstaben überdeutlich ausgesprochen werden. Auch hier arbeiten die Muskeln mehr, als bei der alltäglichen Aussprache. Beide Techniken helfen die Artikulation beim Vorlesen zu verbessern.

Wählen Sie die Technik, die Ihnen mehr zusagt!

Übung 1: Sprechen von Silben

Achten Sie beim Sprechen darauf das „r“ zu rollen.

  • Ma, me, mi, mo, mu         oder         Ka, ke, ki, ko, ku         usw.
  • Sal, sel, sil, sol, sul         oder         gar, ger, gir, gor, gur        usw.
  • Fast, fest, fist, fost, fust        oder        Stam, stem, stim, stom, stum    usw.

Bilden Sie eigene Silbenketten mit anderen Konsonanten. Verändern Sie die Geschwindigkeit, Lautstärke und Tonhöhe beim Sprechen.

Übung 2: Sprechen von Wörtern in Wortpaaren

  • Hölle – helle        Welfe – Wölfe        Söhne – Sehne        Fell – Völlerei
  • Ehre – Ähre        Feder – Väter        Gerede – Geräte    wegen – wägen
  • Hürde – Hirte        Griffe – Grüfte        stimmen – stürmen     Dicke – Tücke
  • Paar – Bar         billig – Pille        Knappe – Gabe        laben – Lappen
  • Laden – Latten        drei – treideln        Feder – Vetter        Sitten – sieden
  • Gatter – Kater        Kästen – Gesten    Waage – wacker    gegoren – erkoren
  • schenkst – fängst    Stängel – Schenkel    singst –sinkst        tränkst – drängst

Bilden Sie eigene Wortpaare. Achten Sie darauf, dass die Konsonanten so unterschiedlich wie möglich sind (Kontrast hart-weich).

Übung 3: Sprechen von langen Wörtern

Büttenpapier, Probebogen, Dattelpalme, Truhendeckel, Kurbelbewegung, Geschichtskenner, Gegacker, Neidhammel, Morgensonne, Menschenmenge, Wahlverwandtschaft, flockenweise, Abkömmling, Schriftsprache, Schaustellersuche, Schelmenstreich, Gesinnungswandel, Choreographie, Anachronismus, Chrysantheme, Pflegebefohlene, Pfeifenstopfer, Sumpfpflanze, Schlupfwinkel, Vergleichsverfahren, Fastnachtsmaske, Ausschmückung usw.
oder:     Doppelsteppstichnähmaschine, Desoxyribonukleinsäure, Hirnstromwellenmessgerät, Kraftfahrzeughaftpflichtversicherungsteilnehmer, Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänswitwenunterstützungskasse

Bilden Sie eigene lange Wörter, das macht Spaß und übt die Wortfindung

Übung 4: Sprechen von Reimen (hier: Schüttelreime in einem Satz)

  • Der Hase hoch beim Rennen hupft – am Herd die Hausfrau Hennen rupft.
  • Ums Haupt von Locken hängt die Fülle – doch hohlen Raum umfängt die Hülle.
  • Bei einem Stück von Richard Strauß – da kriegt man nie die Streichart raus.
  • Das Buch enthält kein Quäntchen Mark – es ist nur ein Fragmentchen Quark.
  • Bello die Wurst vom Teller schnappt – der Bösewicht wird schnell ertappt.
  • Was nutzt die holde Maienlust – wenn du dein Geld dir leihen musst.
  • Wenn ich im Hause gründlich stöber‘ – dann wird mein Gatte stündlich gröber.
  • Dem Jäger ist die Pirsch verhasst – wenn schlafend er den Hirsch verpasst.

Bilden Sie eigene Schüttelreime, die auch länger sein können. Selbst Dichten übt die Wortfindung.

Übung 5: Sprechen von Sätzen mit Lautüberfüllung (Zungenbrecher)

  • Brauchbare Bierbrauerburschen brauen brausendes Braunbier.
  • Meiner Mutter Magd macht mir Mus und meiner Mutter Mehl.
  • Sardinen sind sehr selten Sardellen, sagen sachkundige sardische Sammler.
  • Sieben Schneeschipper schippen sieben Schippen Schnee.
  • Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitschern zwei Schwalben.
  • Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid.
  • Fünf Fahrenholzer Holzfahrer fuhren fünf Fuhren Farbhölzer flink, fröhlich, flott fort.
  • Zwei flotte Kesselflicker flicken flinker vier Kessel, als vier nicht flotte Kesselflicker vier Kessel flicken könnten.
  • Es klapperten die Klapperschlangen, bis ihre Klappern schlapper klangen.
  • Der Cottbusser Postkutscher putzt den Cottbusser Postkutschkasten.

Bilden Sie eigene Sätze mit Lautüberfüllung.

Übung 6: Sprechdenken

Meist ist vor der Formulierung eines Gedankens nur eine eher verschwommene Richtung des Gedankenschemas bekannt, so dass der konkrete Gedanke erst mit dem Aussprechen (Sprechdenken) ausgebildet wird.

Die Vorstufe des Sprechdenkens ist das laute Lesen. Die ablaufenden Prozesse der Sprachfindung sind identisch und lassen sich auf beide Weisen effektiv üben.

Methode:    Sie suchen sich spontan ein Stichwort, z.B. indem Sie die Zeitung aufschlagen und wahllos auf ein Wort tippen. Nun beginnen Sie sofort zu dem Thema des Stichwortes zu reden und zwar genau eine Minute lang. Dabei benötigen Sie jedoch Selbstdisziplin, denn Sie dürfen nicht aufhören zu reden. Wenn Ihnen nichts mehr einfällt, sagen Sie eben: „Mir fällt jetzt nichts mehr ein.“, notfalls bis die Minute vorbei ist. Das laute Sprechen ohne jede Vorbereitung, übt dabei die allmähliche Fertigung der Gedanken beim Reden.

TIPP: Diese Übung trainiert die freie Rede.
 

(Von Susanne Ullrich, Referentin bei der Redaktionenkonferenz 2012)

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